Wenn ich meinen Angehörigen in das Versorgungskonzept einschreibe, muss der lange Kontakt zu einem Pflegedienst vor Ort beendet werden?

Selbstverständlich ist die Einbindung eines anderen Pflegedienstes möglich. Der zu Pflegende muss auf die bekannten Pflegekräfte nicht verzichten. Die umfassende Palliativpflege kann jedoch nur von den anerkannten Palliativpflegediensten geleistet und mit den Krankenkassen abgerechnet werden.
 

Wie ist eine Finanzierung möglich?

Nach § 37b SGB V (Sozialgesetzbuch) haben gesetzlich Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung.
Die Leistung ist von einem Vertragsarzt oder Krankenhausarzt zu verordnen und von der Krankenkasse zu genehmigen. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung umfasst ärztliche und pflegerische Leistungen einschließlich ihrer Koordination insbesondere zur Schmerztherapie und Symptomkontrolle und zielt darauf ab, die Betreuung der Versicherten nach Satz 1 in der vertrauten häuslichen Umgebung zu ermöglichen. Dabei sind die besonderen Belange von Kindern zu berücksichtigen.
 

Welche Leistungen werden von den Kassen bezahlt?

Ist der Patient in das Palliativprogramm eingeschrieben, so wird die palliativmedizinische Versorgung vollständig von den Kassen übernommen. Palliativpflege muss vom Haus-, oder Facharzt gesondert verordnet werden. Sie kann nur von einem  Palliativpflegedienste mit den Krankenkassen verrechnet werden. Die Pflegedienste beantragen die Kostenübernahme. Unter bestimmten Umständen muss ein Eilantrag auf Pflegeeinstufung gestellt werden. Hierbei unterstützen die Palliativpflegedienste oder die Patientenkoordinatorinnen.
 

Können Menschen jeden Alters diese Versorgung wahrnehmen?

Ja, das Alter ist nicht entscheidend, denn alle Menschen haben einen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung.
 

Wie oft kommen die Mitarbeiter?

Das ist ganz unterschiedlich und abhängig vom individuellen Versorgungskonzept des Patienten. Das Konzept erstellt die Patientenkoordinatorin in Zusammenarbeit mit den Ärzten und Patienten sowie seinen Angehörigen.


Darf mich mein Hausarzt nicht mehr behandeln, wenn ich im Palliativnetz eingeschrieben bin?

Der Hausarzt kann der behandelnde Arzt bleiben, sofern er als Vertragsarzt zur Umsetzung der ambulanten Palliativversorgung registriert ist. Nach der Einschreibung eines Patienten arbeitet er mit dem Palliativmedizinern des Palliativnetzes zusammen.
 

Was ist der Unterschied, wenn ich im Notfall einen Palliativarzt oder einen Notarzt rufe?

Der Notarzt kann in der Regel nur in ein Krankenhaus überweisen. Der Palliativarzt hingegen kann die schmerztherapeutische Behandlung so anpassen, dass in der Regel die Einweisung in ein Krankenhaus vermieden werden kann.
 

Muss der ehrenamtliche Hospizbegleiter bezahlt werden?

Nein. Auch der ambulante Hospizdienst hat die Möglichkeit eine Aufwandsvergütung mit den Kostenträgern abzurechnen.
 

Was bedeutet Einschreibung?

Einschreibung bedeutet, dass eine kurative Behandlung ausgeschöpft ist und eine schmerzlindernde, ganzheitliche Begleitung des Patienten beginnt. Das Ziel ist die letzte Lebensphase des Menschen ganzheitlich und menschenwürdig zu gestalten.
 

Wie steht die Palliativmedizin zu Sterbehilfe und Hilfe zur Selbsttötung?
Sterbehilfe wie auch eine Hilfe bei der Selbsttötung durch Ärztinnen und Ärzte lehnt die Palliativmedizin ab. Sie steht dafür, dass schwerstkranke und sterbende Menschen auf eine menschenwürdige Betreuung und Begleitung vertrauen können. Der Palliativmedizin geht es um fürsorgliche Begleitung, Linderung von Schmerzen und das Zulassen des Sterbens.